Dungeons & Dragons
Dungeons & Dragons
Dungeons & Dragons (kurz D&D oder DnD) ist ein Fantasy-Rollenspiel, das 1974 von Gary Gygax und Dave Arneson entwickelt und von TSR (Tactical Studies Rules) veröffentlicht wurde. Es gilt als das erste Pen-&-Paper-Rollenspiel der Geschichte und als Begründer des gesamten Rollenspielgenres. Heute wird es von Wizards of the Coast, einer Tochterfirma von Hasbro, vertrieben.
Geschichte
Die Ursprünge von Dungeons & Dragons liegen in historischen Tabletop-Kriegsspielen, insbesondere in Gygax’ „Chainmail“. Gygax und Arneson kombinierten die taktischen Elemente dieser Miniaturenspiele mit individuellen Charakteren, die Abenteuer erleben. Die erste Edition erschien 1974 und wurde zunächst in kleinen Auflagen verkauft. Aufgrund des großen Erfolges folgten rasch erweiterte und überarbeitete Editionen.
Editionen
- Original Dungeons & Dragons (1974)
- Die erste Version, bestehend aus drei Heften, bildete die Grundlage für das moderne Rollenspiel.
- Advanced Dungeons & Dragons (AD&D, 1977–1989)
- Erweiterte Regeln, Klassen und Zauber. Diese Version wurde zum Standard der 1980er-Jahre.
- Dungeons & Dragons 2. Edition (1989–2000)
- Vereinheitlichte Regeln, weniger Fokus auf komplexe Mechaniken, mehr auf erzählerisches Spiel.
- Dungeons & Dragons 3. Edition (2000)
- Einführung des d20-Systems, das auch für andere Rollenspiele lizenziert wurde (Open Game License).
- Dungeons & Dragons 4. Edition (2008)
- Stärkere Orientierung an Videospielen und taktischem Kampf, polarisierte die Spielerschaft.
- Dungeons & Dragons 5. Edition (2014)
- Vereinfachtes, erzählerorientiertes Regelwerk mit hoher Zugänglichkeit. Weltweit populär durch Livestreams und Podcasts wie Critical Role.
Spielprinzip
In Dungeons & Dragons übernehmen die Spieler die Rollen von fiktiven Charakteren, die in einer fantastischen Welt Abenteuer erleben. Ein Spielleiter, der Dungeon Master (DM), beschreibt die Welt, steuert Nichtspielercharaktere (NSC) und würfelt über Ereignisse.
Das Spiel basiert auf Regeln, Würfeln (insbesondere dem 20-seitigen Würfel, W20) und Erzählung. Entscheidungen, Kreativität und Kooperation stehen im Vordergrund.
Charaktere
Spieler erschaffen Charaktere, die durch verschiedene Eigenschaften, Klassen und Völker definiert sind.
Attribute
Jeder Charakter besitzt sechs Grundattribute:
- Stärke (Strength)
- Geschicklichkeit (Dexterity)
- Konstitution (Constitution)
- Intelligenz (Intelligence)
- Weisheit (Wisdom)
- Charisma (Charisma)
Klassen
Beispiele für spielbare Klassen:
- Krieger (Fighter)
- Magier (Wizard)
- Schurke (Rogue)
- Kleriker (Cleric)
- Paladin
- Barde
- Druide
- Hexenmeister (Warlock)
Völker
Typische Fantasy-Völker:
- Menschen
- Elfen
- Zwerge
- Halblinge
- Gnome
- Drachengeborene
- Tieflinge
Spielwelten
Dungeons & Dragons bietet zahlreiche offizielle Kampagnenwelten, sogenannte Settings:
- Forgotten Realms – die bekannteste und meistgespielte Welt, u.a. Schauplatz von Baldur’s Gate und Neverwinter.
- Greyhawk – Gygax’ ursprüngliche Spielwelt.
- Dragonlance – epische Fantasy mit Fokus auf Drachen und Heldenmythen.
- Eberron – Mischung aus Fantasy, Magietechnik und Noir-Elementen.
- Dark Sun – postapokalyptisches Wüstensetting.
- Ravenloft – Gothic-Horror-Welt mit Vampiren und düsterer Atmosphäre.
Regelmechanik
Das Regelwerk stützt sich auf das d20-System. Aktionen werden durch einen Wurf mit einem 20-seitigen Würfel entschieden:
- Erfolg = Würfelergebnis + Modifikator ≥ Schwierigkeitsgrad (SG)
- Scheitern = Ergebnis < SG
Kämpfe, Zauber, soziale Interaktionen und Fertigkeiten nutzen dieses Prinzip.
Popkultur
Dungeons & Dragons beeinflusste zahlreiche Videospiele, Filme, Bücher und Serien. Zu den bekanntesten zählen:
- Baldur’s Gate (Videospielreihe)
- Neverwinter Nights
- Stranger Things (TV-Serie)
- Critical Role (Livestream-Kampagne)
- Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben (Kinofilm, 2023)
Kritik und Kontroversen
In den 1980er-Jahren geriet D&D in den USA in die Kritik, da manche religiöse Gruppen dem Spiel satanische Tendenzen unterstellten. Diese moralische Panik legte sich in den 1990er-Jahren. Heute wird D&D als kreatives und gemeinschaftsförderndes Hobby anerkannt.
Einfluss
Dungeons & Dragons hat das Genre der Rollenspiele entscheidend geprägt. Es gilt als Vorbild für:
- Pen-&-Paper-Rollenspiele wie Pathfinder und Shadowrun
- Computerrollenspiele (CRPGs)
- Storytelling- und Tabletop-Games
Literatur
- Gary Gygax, Dave Arneson: Dungeons & Dragons (Original Rules). TSR, 1974.
- Wizards of the Coast: Player’s Handbook (5th Edition). 2014.
- Jon Peterson: Playing at the World. Unreason Press, 2012.